26. September 2007
Mit gutem Riecher

Modischen Trends nachzueifern ist nicht Sache bei VW. Wie Touran und Eos kommt auch der Tiguan spät, aber mit erprobten Lösungen für Strasse, Stadt und auch ein bisschen fürs Gelände..

Wenn VW seinen kompakten, 443 cm langen SUV erst jetzt präsentiert, geschieht dies nicht mangels Erfahrung mit dem Allradantrieb. Denn neben den zahlreichen 4Motion-Personenwagen bauen die Wolfsburger auch den imposanten Touareg; manche mögen sich noch an den Golf Country erinnern. In einem Segment, das damals noch nicht «Sport Utility Vehicle» hiess, liess VW den Golf II Synchro (mit zentraler Viskokupplung ab 1985) bei Steyr-Daimler-Puch auf Western-Look umbauen: Bodenfreiheit 18 cm, Reserverad im Huckepack und Ölwannenschutz.

Drei Ausführungen

Im Gegensatz zum schon vergessenen Urahn zeigt der Tiguan zumindest äusserlich keine Ähnlichkeit mit dem Golf. Trotz einem Hauch Abenteuer bleibt die Form sachlich, was von den rechteckigen Radhäusern unterstrichen wird. Ein Design, das kaum Emotionen schüren dürfte, gemäss seinen Schöpfern aber zeitlos sein soll.

Auf der Strasse unterscheidet sich das Fahrverhalten des kompakten SUV kaum von dem einer Limousine. Kleineren Ausflügen ins Gelände scheint das Fahrzeug nicht abgeneigt zu sein, insbesondere als «Track&Field». Mit einem günstigeren Böschungswinkel, einer höheren Zugkraft (2500 kg, Rekord in dieser Fahrzeugkategorie) und Unterfahrschutz unterscheidet sich diese Version von den beiden Varianten «Trend&Fun» und «Sport&Style». Der «Track& Field» besitzt zudem eine Offroad-Taste, die eine Vielzahl von Fahrhilfen aktiviert, so ein Geschwindigkeits-Konstanthalter fürs Gefälle (für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt), ein «sanfteres» Gaspedal, Differenzialsperren und ABS-Abstimmung für Offroad. Die Bodenfreiheit von 19,5 cm ist bei allen drei Ausführungen gleich. Vorgesehen ist zudem ein Basismodell mit Vorderradantrieb.

Der Tiguan wird zwar in der Welt der SUV keine Revolution auslösen, wartet aber mit modernen Motoren auf. Besonders zu erwähnen die neuen TDI mit Common Rail und Piezoinjektoren, die bereits die ab 2009 geltende Euro 5 erfüllen. Diese 2-L-Diesel werden sukzessive die Pumpe-Düse-Aggregate des Konzerns ersetzen. Sie werden wie bisher in den Leistungsversionen 140 und 170 PS angeboten. Auch die Benzinmotoren entsprechen mit Direkteinspritzung und Aufladung modernster Schule. Diese TSI kommen mit 150, 170 und 200 PS zum Einsatz.

Es gib ausschliesslich 6-Gang-Getriebe – manuell oder automatisch. Das Handschaltgetriebe bietet mit einem besonders kurzen ersten Gang (6,7 km/h bei 1000/min) beinahe eine Geländeübersetzung. Die Automatikversion hat für die Ausführung «Track&Field» eine Gangvorwahl zur optimalen Ausnützung der Motorbremswirkung

Auf der Strasse erweist sich der Tiguan TDI 140 PS (wie der TSI 150 PS lieferbar ab Herbst, die übrigen Motoren ab 2008) als agil, und zeigt ein weitgehend neutrales Kurvenverhalten, was auch der präzisen und mitteilsamen Lenkung zuzuschreiben ist. Die Karosseriebewegungen sind moderat. Das Fahrwerk scheint recht straff abgestimmt zu sein, die als Option lieferbaren 18-Zoll-Räder verstärken diesen Eindruck. Grosser Fortschritt bezüglich Geräusch: Der neue TDI ist wesentlich leiser geworden. Durchzugskräftig und leistungsfähig, scheint sich dieser vibrationsarme Diesel bis in die Drehzahlregionen von 5000/min wohl zu fühlen (Begrenzer bei 5500/min). Doch auch der 170-PS-TSI liefert genügend Drehmoment im unteren Drehzahlbereich, um steile Böschungen zu erklimmen.

1,5 m3 Laderaum

Der rechteckige Gepäckraum weist einen doppelten Boden auf. Bei umgeklappten Rücksitzen stehen 1510 L und ein flacher Boden zur Verfügung. Die beiden Sitzbankhälften sind 16cm in Längsrichtung verschieb- und die Lehnenneigung einstellbar. Bei umgelegter Lehne des Beifahrersitzes entsteht eine Ladelänge von 2,5m (nicht lieferbar für Trend&Fun). Die beeindruckende, aber funktionelle Instrumentierung ist dem Golf Plus nachempfunden. Der Rest der Innenausstattung ist eigenständig und wirkt ansprechend. Besonders zu erwähnen die gut geformten und kräftig gepolsterten Sitze. Der Tiguan ist mit einem Audio/Navi/Multimedia-System mit Berührungsbildschirm lieferbar. Dazu gehören eine 30-GB-Festplatte, eine Rückfahrkamera und ein Offroadmodus, mit dem bis zu 500 Referenzpunkte im nicht registrierten Gelände gespeichert werden können.

Der permanente Allradantrieb 4Motion des kleinen SUV hat eine verbesserte Haldex-Kupplung erhalten. Die Ölbadkupplung sitzt jetzt vor dem Hinterachsdifferenzial, und die Elektronik der beiden Hydraulikpumpen ist neu. Leichter (44 kg), soll das System auch schneller reagieren, weniger Verluste aufweisen und niemals zu Verspannungen neigen. Die Kraftverteilung auf die Hinterachse variiert je nach Haftverhältnissen zwischen 10 und 100%.

Ab 36000 Franken

Für den Tiguan gibt es als Option den automatischen Park Assist, den wir gegenwärtig im Touran ausprobieren. In einem Markt, der für Westeuropa auf 600000 Einheiten geschätzt wird, will VW mit dem Tiguan gleich einen Podestplatz erobern. Mit einem Basispreis von 36000 Franken (TSI 150 PS, Frontantrieb) ist er günstiger als etwa ein BMW X3, der ausschliesslich mit Allradantrieb angeboten wird; 44 kostet beim Tiguan 2000 Franken extra. Der Schweizer Importeur rechnet mit einem Dieselanteil von 60%.

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